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Nächste Staffel

Unser Digitales Kolloquium zur Bildungspolitik geht in die zweite Staffel. Diesmal werden mit den Themen „Digitalisierung“ und „Bildungsungleichheit“ zwei zentrale Steuerungsprobleme im Schulbereich näher in den Blick genommen. Welche Akteure sind hier maßgeblich? Was sind die entscheidenden Stellschrauben für eine gelingende Steuerung, und wo liegen typische Schwierigkeiten?

In jeweils vier Sitzungen werden diese und ähnliche Fragen mit Blick auf die verschiedenen Steuerungsebenen diskutiert: die Einzelschule, die Kommune bzw. der Schulträger, das Land sowie die länderübergreifende Ebene der KMK und des Bundes.

Wie in der letzten Staffel werden die Vorträge aus der Bildungsforschung stets von einer Expertin oder einem Experten aus der Politik bzw. Verwaltungspraxis kommentiert. Wieder haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich im Chat an der Diskussion zu beteiligen. 

Das Kolloquium findet wöchentlich dienstags von 17.00 bis 18.00 Uhr über Zoom statt und startet am 16. November 2021. Die Veranstaltungen werden anschließend als Podcast auf diesem Blog sowie bei Apple Podcast und Spotify veröffentlicht.

Bitte melden Sie sich hier für das Kolloquium an. Sie erhalten dann regelmäßig einen Reminder mit den Zugangsdaten für das wöchentliche Kolloquium.

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung erhalten Sie hier.

Das Kolloquium findet in Kooperation mit dem Cluster „Recht und Sozialpolitik“ der Universität Hildesheim statt.

Digitalisierungsbezogene Schulentwicklung: Mehr als die Summe der Einzelteile

Schule hat die Aufgabe, Heranwachsende auf eine Teilhabe an der zunehmend digitalisierten Welt vorzubereiten. Wie können Schulentwicklungsprozesse im Kontext der Digitalisierung gestaltet werden? Welche Handlungsfelder sind dafür relevant? Und welche Fortbildungs- und Unterstützungssysteme erscheinen geeignet, digitalisierungsbezogene Schulentwicklung voranzubringen? Der Vortrag adressierte diese Fragen sowohl konzeptionell als auch auf Basis aktueller Forschungsbefunde.

Es diskutierten Manuela Endberg, Leiterin des Forschungsbereichs „Schulentwicklung und Digitalisierung“ in der Arbeitsgruppe Bildungsforschung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Duisburg-Essen, und Sabrina Bippus, Schulleiterin der Schule am Schloss Potsdam.
Benjamin Edelstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB, moderierte die Sitzung.

Sie finden die Präsentationsfolien von Manuela Endberg hier:

Bildungssteuerung im Mehrebenensystem

Das Kolloquium startete mit einem Impuls aus dem benachbarten Föderalstaat Schweiz. Katharina Maag Merki, die als Professorin für Theorie und Empirie schulischer Bildungsprozesse an der Universität Zürich lehrt, beleuchtete u.a. die spezifischen Steuerungsprobleme der Bildung im Mehrebenensystem. In der Auftaktsitzung sollte aus einer übergreifenden (Educational Governance-)Perspektive auf Steuerungsdefizite und Herausforderungen des Bildungssystems eingegangen werden, die in den Folgesitzungen in Bezug auf die beiden übergreifenden Herausforderungen „Digitalisierung“ und „Bildungsungleichheiten“ konkretisiert werden. Mark Rackles, Fellow am WZB und langjähriger Staatssekretär für Bildung, moderierte die Sitzung. Die Begrüßung erfolgte durch die Präsidentin des WZB, Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Ph.D.

In ihrer Präsentation ging Prof. Maag Merki auf die Analyseinstrumente des Forschungsansatzes ein (Differenzierung in Regelsysteme, Handlungsakteure und Handlungskoordination), erläuterte die Bedeutung informeller Handlungskoordination (“gelebte Systeme”) und das Phänomen eines Schulkonkordats, das formal zwar nicht von allen Kantonen getragen wird, in der Schulpraxis jedoch trotzdem bundesweite Wirkung entfaltet. Im Ergebnis der Diskussion blieben Zweifel, ob die Bildungsstrukturen der beiden Nachbarländer Deutschland und Schweiz jenseits der föderalen Grundstruktur vergleichbar sind. Zudem zeigte sich, dass trotz eines etwas höheren Maßes an kantonsübergreifender Kooperation das spezifische Ziel des Abbaus von Bildungsungleichheiten in der Schweiz nicht besser erreicht wird, als in Deutschland. Ein erhöhtes Maß an länderübergreifender Kooperation alleine ist somit kein Prädiktor für Steuerungseffizienz. Sie finden die Präsentationsfolien von Prof. Maag Merki sowie eine unverbindliche Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen der Kolloquiumssitzung hier:

Steuerung in der Fläche: entscheidet der Wohnort über Bildungschancen?

Regionale Unterschiede des Bildungsangebots, der kommunalen Finanzkraft, der Bevölkerungsentwicklung und der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung führen zu komplexen Herausforderungen für das Steuerungshandeln der Bildungspolitik, obwohl diese über Bundesländer hinweg erkennbar davor zurückschreckt konfliktbehaftete Handlungsfelder zu bearbeiten. Was wäre zu tun, um den zunehmenden Disparitäten der Bildungsmöglichkeiten nach Regionen und einzelnen Bildungseinrichtungen zu begegnen?

Es diskutieren Horst Weishaupt, Professor an der Bergischen Universität Wuppertal im Ruhestand und ehem. Leiter der Arbeitseinheit „Steuerung und Finanzierung des Bildungswesens“ am Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) in Frankfurt am Main, und Björn Hermstein, Schulentwicklungsplaner im Dezernat ‘Familie, Schule, Integration und Sport’ der Stadt Oberhausen.
Die Moderation übernimmt Benjamin Edelstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Menschenrecht ohne Steuerung – wo steht die schulische Inklusion?

Seit in Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert wurde, gilt es, ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten. Gleichwohl zeigen sich bei der Umsetzung eine Vielzahl von Widersprüchen und Barrieren; sogar die Möglichkeit des Scheiterns von Inklusion wird thematisiert. Hat hier die Steuerung versagt? Kann man inklusive Bildung überhaupt steuern? In diesem Vortrag soll die aktuelle Situation skizziert und Steuerungsproblematiken wie Steuerungsoptionen thematisiert werden.

Es diskutieren Rolf Werning, Professor für Inklusive Schulentwicklung an der Leibniz Universität Hannover und Sybille Volkholz, Senatorin für Schule, Berufsbildung und Sport in Berlin a.D. und Mitglied der “Fokusgruppe Bildungspolitik” der Heinrich-Böll-Stiftung.
Die Moderation übernimmt Benjamin Edelstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Zu viel versprochen? Grenzen und Potenziale der Outputsteuerung

Input-, Throughput-, Output- oder Outcome-Steuerung? Die Bildungsforschung hat keinen Mangel an Bewertungsansätzen, die an der Steuerung von Ressourcen ansetzen. Die einen hoffen auf Effizienzsteigerung im Ressourceneinsatz, die anderen auf auf Qualitätssteigerung im Bildungswesen.  Aber was wirkt am Ende wirklich? Lässt sich die Qualität von Bildung als „Output“ bestimmen?

Es diskutieren Hans Anand Pant, Professor für Erziehungswissenschaftliche Methodenlehre an der Humboldt-Universität zu Berlin, und Martina Diedrich, Direktorin des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) in Hamburg.
Die Moderation übernimmt Mark Rackles, Fellow am WZB & Staatssekretär a.D. der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Deckung des Lehrkräftebedarfs – regionale Steuerung überregionaler Märkte?

Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit verfehlen die Länder ihre eigenen Bedarfszahlen und bilden über Jahrzehnte unterhalb des Bedarfs aus. Komplexe Strukturen und eine Vielzahl institutioneller Akteure machen die Steuerung nicht einfacher. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Frage, ob die Steuerung von 16 regionalen Märkten (Bundesländern) eine länderübergreifende Steuerung (im Sinne einer länderübergreifenden Prognostik und Kapazitätsplanung auf Ebene der KMK) ersetzen kann. Auf welcher Ebene muss die Optimierung ansetzen?

Es diskutieren Klaus Klemm, Professur i.R. für empirische Bildungsforschung und Bildungsplanung in Universität Duisburg-Essen, und Rainer Schulz, Staatsrat der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg.

Die Moderation übernimmt Mark Rackles, Fellow am WZB & Staatssekretär a.D. der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Digitalisierung von Schule und Aufbau von Dateninfrastrukturen: Optimierungsdrang und (unterschätzte) Eigendynamiken

Nicht zuletzt durch die während der Corona-Pandemie erfolgten Schulschließungen und Distanzlernen, ist die Digitalisierung von Schule, Lernen und Unterricht weiterhin auf dem Vormarsch. Der Trend, Bildungspolitik, -steuerung und -praxis stärker evidenz- bzw. datenbasiert auszurichten, hat in den letzten Jahrzehnten auch das deutsche Schulsystem erfasst. Eine große Rolle spielen dabei wachsende Möglichkeiten digitaler, zunehmend automatisierter Daten(-verarbeitung), mit denen neue Formen der Sammlung, Aufbereitung, Auswertung und/oder Kommunikation großer Datenmengen ermöglicht werden. Beim Aufbau von Dateninfrastrukturen, die nicht nur das deutsche Bildungssystem ähnlich wie die Verkehrsinfrastruktur einer Großstadt – zunehmend ‚dichter‘ durchdringen, stellen sich eine Reihe von Fragen: Welche Effekte haben der Aufbau und Ausbau von Dateninfrastrukturen auf den Bildungsföderalismus? Welche (mitunter unterschätzten) Eigendynamiken werden in Gang gesetzt? Und welche Effekte hat die Digitalisierung und Datafizierung von Schule auf die Rolle von Lehrkräften, Schüler:innen und Schulleitungen?

Es diskutieren Sigrid Hartong, Professorin für Soziologie and der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, und Nina Galla, wissenschaftlichen Mitarbeiterin bei Dr. Birke Bull-Bischoff, MdB.

Die Moderation übernimmt Rita Nikolai, Professorin für Vergleichende Bildungsforschung an der Universität Augsburg.

Schule in der Pandemie: Hat die Bildungspolitik versagt?

Schulschließungen ohne Konzepte für den Fernunterricht, Versäumnisse in der digitalen Ausstattung, unzureichende Hygienepläne. Die Bildungspolitik der Länder sieht sich in der Pandemie mit teilweise erheblicher Kritik konfrontiert. Die Defizite werden dabei nicht zuletzt beim Bildungsföderalismus und ihrem zentralen Koordinierungsgremium, der Kultusministerkonferenz, verortet.

Doch hat die deutsche föderale Bildungspolitik in der Corona-Krise tatsächlich versagt? Ist sie grundsätzlich reformbedürftig oder hat sie sich bewährt? Was lernen wir aus dem Ausnahmezustand während der Pandemie – was müsste sich für die Zukunft ändern? Und: Wie lässt sich jetzt verhindern, dass Bildungslücken und die soziale Schere größer werden?

Es diskutieren Olaf Köller, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, und Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie Präsidentin der Kultusministerkonferenz.

Die Moderation übernimmt Michael Wrase, Professor für Öffentliches Recht, Universität Hildesheim & Senior Researcher am WZB.

Privatschulen – ein steuerungsfreier Raum?

Die Zahl der Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland steigt seit etwa 15 Jahren kontinuierlich an. Wie verschiedene Forschungen gezeigt haben, ziehen die privaten Schulen vor allem Kinder aus einkommensstarken und bildungsnahen Familien an. Häufig werden trotz staatlicher Bezuschussung relativ hohe Schulgelder und Elternbeiträge erhoben. Auf der anderen Seite gibt es relativ wenige rechtliche Vorgaben und kaum aufsichtliche Kontrolle seitens der Bundesländer. Entsteht hier somit Schule in einem steuerungsfreien Raum? Und was bedeutet das für unser Bildungs- und Schulsystem insgesamt?

Es diskutieren Marcel Helbig, Arbeitsbereichsleiter am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe & Fellow am WZB, und Jan Stöß, Staatsrat im Ressort Kinder und Bildung in Bremen.

Die Moderation übernimmt Rita Nikolai, Professorin für Vergleichende Bildungsforschung, Universität Augsburg.