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Wunsch und Wirklichkeit deutscher Bildungspolitik Steuerung auf dem PrĂŒfstand

Unser Kolloquium findet jeden Dienstag ab 17:00 Uhr ĂŒber Zoom statt. Nach 15 Minuten Vortrag einer Referent*in sowie einem kurzen Kommentar folgt eine Diskussion.

Wenn Sie live dabei und mit den Vortragenden diskutieren wollen, melden Sie sich bitte hier an. Sie erhalten dann einen wöchentlichen Reminder mit den Zugangsdaten fĂŒr das Kolloquium.

Das vollstÀndige Programm finden sie hier.

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Das Kolloquium wird organisiert von Jutta Allmendinger, Benjamin Edelstein, Rita Nikolai, Mark Rackles und Michael Wrase. Es findet in Kooperation mit dem Cluster “Recht und Sozialpolitik” der UniversitĂ€t Hildesheim statt.

Deckung des LehrkrĂ€ftebedarfs – regionale Steuerung ĂŒberregionaler MĂ€rkte?

Mit erstaunlicher RegelmĂ€ĂŸigkeit verfehlen die LĂ€nder ihre eigenen Bedarfszahlen und bilden ĂŒber Jahrzehnte unterhalb des Bedarfs aus. Komplexe Strukturen und eine Vielzahl institutioneller Akteure machen die Steuerung nicht einfacher. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Frage, ob die Steuerung von 16 regionalen MĂ€rkten (BundeslĂ€ndern) eine lĂ€nderĂŒbergreifende Steuerung (im Sinne einer lĂ€nderĂŒbergreifenden Prognostik und KapazitĂ€tsplanung auf Ebene der KMK) ersetzen kann. Auf welcher Ebene muss die Optimierung ansetzen?

Es diskutieren Klaus Klemm, Professur i.R. fĂŒr empirische Bildungsforschung und Bildungsplanung in UniversitĂ€t Duisburg-Essen, und Rainer Schulz, Staatsrat der Behörde fĂŒr Schule und Berufsbildung in Hamburg.

Die Moderation ĂŒbernimmt Mark Rackles, Fellow am WZB & StaatssekretĂ€r a.D. der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Digitalisierung von Schule und Aufbau von Dateninfrastrukturen: Optimierungsdrang und (unterschÀtzte) Eigendynamiken

Nicht zuletzt durch die wĂ€hrend der Corona-Pandemie erfolgten Schulschließungen und Distanzlernen, ist die Digitalisierung von Schule, Lernen und Unterricht weiterhin auf dem Vormarsch. Der Trend, Bildungspolitik, -steuerung und -praxis stĂ€rker evidenz- bzw. datenbasiert auszurichten, hat in den letzten Jahrzehnten auch das deutsche Schulsystem erfasst. Eine große Rolle spielen dabei wachsende Möglichkeiten digitaler, zunehmend automatisierter Daten(-verarbeitung), mit denen neue Formen der Sammlung, Aufbereitung, Auswertung und/oder Kommunikation großer Datenmengen ermöglicht werden. Beim Aufbau von Dateninfrastrukturen, die nicht nur das deutsche Bildungssystem Ă€hnlich wie die Verkehrsinfrastruktur einer Großstadt – zunehmend ‚dichter‘ durchdringen, stellen sich eine Reihe von Fragen: Welche Effekte haben der Aufbau und Ausbau von Dateninfrastrukturen auf den Bildungsföderalismus? Welche (mitunter unterschĂ€tzten) Eigendynamiken werden in Gang gesetzt? Und welche Effekte hat die Digitalisierung und Datafizierung von Schule auf die Rolle von LehrkrĂ€ften, SchĂŒler:innen und Schulleitungen?

Es diskutieren Sigrid Hartong, Professorin fĂŒr Soziologie and der Helmut-Schmidt-UniversitĂ€t Hamburg, und Nina Galla, wissenschaftlichen Mitarbeiterin bei Dr. Birke Bull-Bischoff, MdB.

Die Moderation ĂŒbernimmt Rita Nikolai, Professorin fĂŒr Vergleichende Bildungsforschung an der UniversitĂ€t Augsburg.

Schule in der Pandemie: Hat die Bildungspolitik versagt?

Schulschließungen ohne Konzepte fĂŒr den Fernunterricht, VersĂ€umnisse in der digitalen Ausstattung, unzureichende HygieneplĂ€ne. Die Bildungspolitik der LĂ€nder sieht sich in der Pandemie mit teilweise erheblicher Kritik konfrontiert. Die Defizite werden dabei nicht zuletzt beim Bildungsföderalismus und ihrem zentralen Koordinierungsgremium, der Kultusministerkonferenz, verortet.

Doch hat die deutsche föderale Bildungspolitik in der Corona-Krise tatsĂ€chlich versagt? Ist sie grundsĂ€tzlich reformbedĂŒrftig oder hat sie sich bewĂ€hrt? Was lernen wir aus dem Ausnahmezustand wĂ€hrend der Pandemie – was mĂŒsste sich fĂŒr die Zukunft Ă€ndern? Und: Wie lĂ€sst sich jetzt verhindern, dass BildungslĂŒcken und die soziale Schere grĂ¶ĂŸer werden?

Es diskutieren Olaf Köller, Leibniz-Institut fĂŒr die PĂ€dagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, und Britta Ernst, Ministerin fĂŒr Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie PrĂ€sidentin der Kultusministerkonferenz.

Die Moderation ĂŒbernimmt Michael Wrase, Professor fĂŒr Öffentliches Recht, UniversitĂ€t Hildesheim & Senior Researcher am WZB.

Privatschulen – ein steuerungsfreier Raum?

Die Zahl der Schulen in freier TrĂ€gerschaft in Deutschland steigt seit etwa 15 Jahren kontinuierlich an. Wie verschiedene Forschungen gezeigt haben, ziehen die privaten Schulen vor allem Kinder aus einkommensstarken und bildungsnahen Familien an. HĂ€ufig werden trotz staatlicher Bezuschussung relativ hohe Schulgelder und ElternbeitrĂ€ge erhoben. Auf der anderen Seite gibt es relativ wenige rechtliche Vorgaben und kaum aufsichtliche Kontrolle seitens der BundeslĂ€nder. Entsteht hier somit Schule in einem steuerungsfreien Raum? Und was bedeutet das fĂŒr unser Bildungs- und Schulsystem insgesamt?

Es diskutieren Marcel Helbig, Arbeitsbereichsleiter am Leibniz-Institut fĂŒr BildungsverlĂ€ufe & Fellow am WZB, und Jan StĂ¶ĂŸ, Staatsrat im Ressort Kinder und Bildung in Bremen.

Die Moderation ĂŒbernimmt Rita Nikolai, Professorin fĂŒr Vergleichende Bildungsforschung, UniversitĂ€t Augsburg.

Daten fĂŒr Taten: Impulse fĂŒr ein evidenzbasiertes Programm zur Schließung von coronabedingten LernlĂŒcken

In der Bildungspolitik besteht weitgehend Einigkeit darĂŒber, das Bildungssystem evidenzbasiert zu steuern. Notwendige Voraussetzung fĂŒr eine solche Form der Steuerung ist Wissen ĂŒber Evidenzen, etwa ĂŒber SchĂŒler*innen und die Gestalt und das Ausmaß von Problemlagen ebenso wie Wissen ĂŒber die Wirksamkeit schulpolitischer Maßnahmen. Um dieses Wissen generieren zu können, sind Daten erforderlich, wie sie etwa durch die amtliche (Schul-)Statistik, durch Vergleichsarbeiten oder Kompetenztests sowie im Verwaltungsvollzug erfasst werden.

Allgemein wird angenommen, dass die pandemiebedingten Formen des Schulhaltens mit wechselndem PrĂ€senz-, Distanz- und Hybridunterricht bei vielen SchĂŒler*innen zu „LernlĂŒcken“ und vor allem zu einer VergrĂ¶ĂŸerung bestehender sozialer DisparitĂ€ten gefĂŒhrt haben. Bund und LĂ€nder verhandeln derzeit ĂŒber ein entsprechendes Aktionsprogramm zur Schließung der „LernlĂŒcken“. Belastbare empirische Befunde, an denen ein solches Programm ausgerichtet und formativ sowie summativ evaluiert werden könnte, liegen bisher jedoch kaum vor. Das Problem: Es fehlt vielfach an geeigneten und systematisch erhobenen Daten und wenn sie vorliegen, sind sie meist nicht miteinander verknĂŒpfbar.

Im Vortrag vorgestellt werden einerseits die vorhandenen Daten und Evidenzen und andererseits die Datenerfordernisse fĂŒr ein effektives und effizientes Bund-LĂ€nder-Programm. Zudem wird ein Vorschlag unterbreitet, wie die vorhandenen und zusĂ€tzlich zu erhebenden Daten datenschutzkonform fĂŒr vertiefte Analysen mit dem Ziel verknĂŒpft werden können, eine möglichst tragfĂ€hige empirische Basis fĂŒr die Steuerung eines solchen Programms zu schaffen.

Es diskutieren Detlef Fickermann, Wuppertaler Institut fĂŒr bildungsökonomische Forschung, und Helene Palamidis, Ministerium fĂŒr Bildung, Jugend und Sport (MBJS), Brandenburg

Die Moderation ĂŒbernimmt Benjamin Edelstein – Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Steuerung auf dem PrĂŒfstand – Wunsch und Wirklichkeit im Bildungsföderalismus

Schulpolitik in Deutschland wirkt im internationalen  Vergleich oft schwerfĂ€llig – das scheint sich besonders in der Pandemie zu bestĂ€tigen, wo flexible Lösungen gefragt sind, oder mit Blick auf die schleppende Digitalisierung. Dennoch wurden in den letzten beiden Jahrzehnten betrĂ€chtliche VerĂ€nderungen in der Steuerung von Schulsystemen, etwa mit Blick auf den Leistungs-„Output“ von Schulen, vorgenommen.
Das Grundgesetz und die Schulgesetze der BundeslÀnder eröffnen Bund und LÀnder eigentlich vielfÀltige Gestaltungsmöglichkeiten. Diese werden allerdings nicht ausreichend genutzt.

Sind die InteressengegensĂ€tze nach wie vor zu groß – oder mangelt es am Willen der bildungspolitischen Akteure? Brauchen wir eine grundlegende Reform des deutschen Bildungsföderalismus? Findet staatliche Steuerung in der Bildungspolitik ĂŒberhaupt noch statt – oder ist sie nur noch reine Fiktion?

Über diese und weitere Fragen der Steuerung im Bildungsföderalismus diskutieren
Rita Nikolai – Professorin fĂŒr Vergleichende Bildungsforschung, UniversitĂ€t Augsburg und
Mark Rackles – Fellow am WZB & StaatssekretĂ€r a.D. der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Die EinfĂŒhrung ĂŒbernimmt Jutta Allmendinger – PrĂ€sidentin des WZB.