Steuerung in der Fläche: entscheidet der Wohnort über Bildungschancen?

Regionale Unterschiede des Bildungsangebots, der kommunalen Finanzkraft, der Bevölkerungsentwicklung und der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung führen zu komplexen Herausforderungen für das Steuerungshandeln der Bildungspolitik, obwohl diese über Bundesländer hinweg erkennbar davor zurückschreckt konfliktbehaftete Handlungsfelder zu bearbeiten. Was wäre zu tun, um den zunehmenden Disparitäten der Bildungsmöglichkeiten nach Regionen und einzelnen Bildungseinrichtungen zu begegnen?

Es diskutieren Horst Weishaupt, Professor an der Bergischen Universität Wuppertal im Ruhestand und ehem. Leiter der Arbeitseinheit „Steuerung und Finanzierung des Bildungswesens“ am Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) in Frankfurt am Main, und Björn Hermstein, Schulentwicklungsplaner im Dezernat ‘Familie, Schule, Integration und Sport’ der Stadt Oberhausen.
Die Moderation übernimmt Benjamin Edelstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Digitalisierung von Schule und Aufbau von Dateninfrastrukturen: Optimierungsdrang und (unterschätzte) Eigendynamiken

Nicht zuletzt durch die während der Corona-Pandemie erfolgten Schulschließungen und Distanzlernen, ist die Digitalisierung von Schule, Lernen und Unterricht weiterhin auf dem Vormarsch. Der Trend, Bildungspolitik, -steuerung und -praxis stärker evidenz- bzw. datenbasiert auszurichten, hat in den letzten Jahrzehnten auch das deutsche Schulsystem erfasst. Eine große Rolle spielen dabei wachsende Möglichkeiten digitaler, zunehmend automatisierter Daten(-verarbeitung), mit denen neue Formen der Sammlung, Aufbereitung, Auswertung und/oder Kommunikation großer Datenmengen ermöglicht werden. Beim Aufbau von Dateninfrastrukturen, die nicht nur das deutsche Bildungssystem ähnlich wie die Verkehrsinfrastruktur einer Großstadt – zunehmend ‚dichter‘ durchdringen, stellen sich eine Reihe von Fragen: Welche Effekte haben der Aufbau und Ausbau von Dateninfrastrukturen auf den Bildungsföderalismus? Welche (mitunter unterschätzten) Eigendynamiken werden in Gang gesetzt? Und welche Effekte hat die Digitalisierung und Datafizierung von Schule auf die Rolle von Lehrkräften, Schüler:innen und Schulleitungen?

Es diskutieren Sigrid Hartong, Professorin für Soziologie and der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, und Nina Galla, wissenschaftlichen Mitarbeiterin bei Dr. Birke Bull-Bischoff, MdB.

Die Moderation übernimmt Rita Nikolai, Professorin für Vergleichende Bildungsforschung an der Universität Augsburg.

Schule in der Pandemie: Hat die Bildungspolitik versagt?

Schulschließungen ohne Konzepte für den Fernunterricht, Versäumnisse in der digitalen Ausstattung, unzureichende Hygienepläne. Die Bildungspolitik der Länder sieht sich in der Pandemie mit teilweise erheblicher Kritik konfrontiert. Die Defizite werden dabei nicht zuletzt beim Bildungsföderalismus und ihrem zentralen Koordinierungsgremium, der Kultusministerkonferenz, verortet.

Doch hat die deutsche föderale Bildungspolitik in der Corona-Krise tatsächlich versagt? Ist sie grundsätzlich reformbedürftig oder hat sie sich bewährt? Was lernen wir aus dem Ausnahmezustand während der Pandemie – was müsste sich für die Zukunft ändern? Und: Wie lässt sich jetzt verhindern, dass Bildungslücken und die soziale Schere größer werden?

Es diskutieren Olaf Köller, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, und Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie Präsidentin der Kultusministerkonferenz.

Die Moderation übernimmt Michael Wrase, Professor für Öffentliches Recht, Universität Hildesheim & Senior Researcher am WZB.

Steuerung auf dem Prüfstand – Wunsch und Wirklichkeit im Bildungsföderalismus

Schulpolitik in Deutschland wirkt im internationalen  Vergleich oft schwerfällig – das scheint sich besonders in der Pandemie zu bestätigen, wo flexible Lösungen gefragt sind, oder mit Blick auf die schleppende Digitalisierung. Dennoch wurden in den letzten beiden Jahrzehnten beträchtliche Veränderungen in der Steuerung von Schulsystemen, etwa mit Blick auf den Leistungs-„Output“ von Schulen, vorgenommen.
Das Grundgesetz und die Schulgesetze der Bundesländer eröffnen Bund und Länder eigentlich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Diese werden allerdings nicht ausreichend genutzt.

Sind die Interessengegensätze nach wie vor zu groß – oder mangelt es am Willen der bildungspolitischen Akteure? Brauchen wir eine grundlegende Reform des deutschen Bildungsföderalismus? Findet staatliche Steuerung in der Bildungspolitik überhaupt noch statt – oder ist sie nur noch reine Fiktion?

Über diese und weitere Fragen der Steuerung im Bildungsföderalismus diskutieren
Rita Nikolai – Professorin für Vergleichende Bildungsforschung, Universität Augsburg und
Mark Rackles – Fellow am WZB & Staatssekretär a.D. der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Die Einführung übernimmt Jutta Allmendinger – Präsidentin des WZB.