Eine Hand wĂ€scht die andere – Zum VerhĂ€ltnis von Journalismus und Bildungspraxis

Wenn Medien ĂŒber Schule und Bildung berichten, brauchen sie Protagonist*innen – ohne die Akteur*innen der Bildungspraxis geht es in aller Regel nicht. Umgekehrt brauchen diese aber auch Medien, um sich mit ihren Anliegen öffentlich Gehör zu verschaffen. HĂ€ufig aber passen politische Kommunikationsabsichten und mediale Narrativ-Erfordernisse nicht ohne Weiteres zusammen. Wie organisieren VerbĂ€nde und Gewerkschaften als Vertreter*innen der Bildungspraxis ihre medienöffentliche Kommunikation? Wann und mit welchen Erwartungen treten Journalist*innen typischerweise an die Praxis heran? Was mĂŒssen beiden Seiten ĂŒbereinander wissen, um produktiv zusammenzuwirken?

HierĂŒber diskutierten wir mit Armin Himmelrath, Bildungs- und Wissenschaftsjournalist, Autor und Moderator, und Anja Bensinger-Stolze, Mitglied des GeschĂ€ftsfĂŒhrenden Vorstands der GEW, Leiterin des Organisationsbereichs Schule.

Moderiert wurde die Diskussion von Benjamin Edelstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Die Bildungsverwaltungen unter Druck: Neue Steuerungslogik durch neue Medien?

Nach der Auftaktsitzung zur Rolle der Bildungsjournalist:innen in der Bildungspolitik werden in der kommenden Sitzung Steuerungsfragen auf Landesebene aufgerufen. Wie hat sich das mediale Umfeld aus Sicht der Landesverwaltung verĂ€ndert und bedingen die neuen Medien eine verĂ€nderte Steuerungslogik der Bildungsadministration? Fragen wie diesen wurden in dieser Sitzung der Sommer-Kurzstaffel des digitalen Kolloquiums „Wunsch und Wirklichkeit deutscher Bildungspolitik – Steuerung auf dem PrĂŒfstand“ nachgegangen.

HierĂŒber diskutierten wir mit Jan-Martin Wiarda – Autor, Journalist und Moderator und Martina Diedrich – Direktorin des Instituts fĂŒr Bildungsmonitoring und QualitĂ€tsentwicklung (IfBQ), Hamburg

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Mark Rackles Fellow am WZB & StaatssekretĂ€r a.D. der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Podiumsdiskussion: Beschreiben, kritisieren, treiben

Welche Rolle spielen die Medien im Kontext der Bildungssteuerung? Dieser Frage wollen wir in einer Kurzstaffel des digitalen Kolloquiums â€žWunsch und Wirklichkeit deutscher Bildungspolitik – Steuerung auf dem PrĂŒfstand“ nachgehen. In der Auftaktsitzung mit Podiumsdiskussion diskutierten wir dafĂŒr mit verschiedenen Akteur*innen aus Medien und Politik.

Journalist*innen werden oft als â€žVierte Gewalt“ in der Demokratie beschrieben – nur: Wie definieren sie selbst ihre Aufgabe in einer sich rasant verĂ€ndernden Medienlandschaft? Wo folgen sie Entwicklungen, wo treiben sie sie voran? Und wie wird dadurch die Bildungspolitik beeinflusst und verĂ€ndert?

HierĂŒber diskutierten wir mit Silke Fokken, Journalistin (DER SPIEGEL), Martin Spiewak, Journalist (ZEIT), Bob Blume, Gymnasiallehrer und Blogger, und Mark Rackles, Fellow am WZB & StaatssekretĂ€r a.D. der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie in Berlin.

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Armin Himmelrath, Autor, Moderator, Bildungs- und Wissenschaftsjournalist.

20 Debatten um Bildungssteuerung: ein Zwischenfazit

In zwei Staffeln und insgesamt 20 Sitzungen wurde im WZB-Kolloquium „Wunsch und Wirklichkeit deutscher Bildungspolitik – Steuerung auf dem PrĂŒfstand“ ĂŒber die Probleme in der Steuerung von Bildungsprozessen, ĂŒber die verschiedenen Handlungsebenen und mögliche LösungsansĂ€tze gesprochen. Das Format setzte in jeder Sitzung systematisch auf einen Input fachkundiger Wissenschaftler:innen und eine Kommentierung durch eine:n erfahrene:n Bildungspraktiker:in bzw. Bildungspolitiker:in. Auf der Praxisseite haben sich Schulleitungen, Schulaufsichten, StaatssekretĂ€r:innen und Minister:innen der Bildungsverwaltung sowie KMK-GeneralsekretĂ€r und KMK-PrĂ€sidentin eingebracht. Zum Abschluss der zweiten Staffel wollen wir aus wissenschaftlicher und bildungspraktischer Sicht ein kritisches Zwischenfazit ziehen und im (moderierten) GesprĂ€ch mit allen interessierten Teilnehmer:innen des Kolloquiums nach dem Ertrag der Reihe fragen. Aus wissenschaftlicher Sicht stellte sich etwa die Frage nach Transferhindernissen von Erkenntnissen in die Praxis und von ForschungslĂŒcken wie etwa auf Ebene der Schulaufsichten. Auf schulpraktischer Seite rĂŒckte zuletzt die Frage nach der systemischen Angst vor Strukturfragen und die Flucht in Schulfrieden und Kompensationsprogrammen in den Vordergrund. Wo hat das Kolloquium neue Einsichten, Fragen oder AnsĂ€tze befördert, wo hat es ggf. Grenzen von Steuerungsmöglichkeiten aufgezeigt? Welche Themen sollten in einer etwaigen weiteren Staffel in den Blick genommen werden? Diese und weitere, von Ihnen einzubringende Fragen wurden im offenen Format mit den Organisator:innen des Kolloquiums online diskutiert.

Aus dem Kreis der Organisator:innen erfolgte ein erstes ResĂŒmee aus wissenschaftlicher Sicht durch Benjamin Edelstein (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB), aus bildungspolitischer Sicht durch Mark Rackles (StaatssekretĂ€r a.D. und Fellow am WZB). Stefan Immerfall, Professor fĂŒr Soziologie an der PĂ€dagogischen Hochschule SchwĂ€bisch GmĂŒnd, stellte seinen Blick als Zuschauer auf das Kolloquium vor.

Wenn Sie noch Anregungen, Kritik oder VerbesserungsvorschlÀge haben, melden Sie sich jederzeit bei uns!

Schulpolitik gegen Bildungsungleichheit – Was tun Bund und LĂ€nder?

Seit Jahrzehnten wird die enge Verbindung von soziale Herkunft und Bildungsarmut in Deutschland politisch thematisiert. In den letzten Sitzungen des Kolloquiums wurden die Steuerungsmöglichkeiten gegen Bildungsungleichheit auf schulischer Ebene, auf Ebene der SchultrĂ€ger und auf Ebene der Schulverwaltung beleuchtet und diskutiert. In der anstehenden  Sitzung soll aus einer lĂ€nderĂŒbergreifenden Ebene gefragt werden, was gegen Bildungsungleichheiten getan wird bzw. getan werden könnte. Die Debatte scheint sich ĂŒber die Jahre von einer Debatte um Strukturen (wie etwa zu Mehrgliedrigkeit des Schulsystems) zu einer Debatte um Programme verschoben zu haben. KMK und BMBF haben 2019 das Programm „Schule macht stark“ aufgelegt (300 Schulen). Die neue Ampel-Regierung hat 2021 das „Startchancen“-Programm fĂŒr 4.000 Schulen aufgelegt und fĂŒr weitere 4.000 Schulen „in benachteiligten Regionen und Quartieren“ zusĂ€tzliche Personalstellen angekĂŒndigt. Ist von diesen milliardenschweren Programmen ein Abbau von Bildungsungleichheit zu erwarten und was lĂ€sst sich lĂ€nderĂŒbergreifend steuern?

HierĂŒber diskutierten wir mit Isabelle van Ackeren, Professorin fĂŒr Bildungssystem- und Schulentwicklungsforschung an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen und Helmut Holter, Minister fĂŒr Bildung, Jugend und Sport in ThĂŒringen.

Moderiert wurde die Sitzung von Mark Rackles, StaatssekretÀr a.D. und Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).

Landespolitische Maßnahmen zur Verminderung sozialer DisparitĂ€ten

Die hohe AbhĂ€ngigkeit des schulischen Bildungserfolgs in Deutschland von der sozialen Herkunft ist ein Befund, der von der Bildungsforschung seit Jahrzehnten immer wieder erneuert wurde. Auch der vergleichsweise hohe Anteil von bildungsarmen jungen Menschen besteht, trotz gradueller Verbesserungen, fort. DarĂŒber hinaus ist gerade in großstĂ€dtischen RĂ€umen eine erhebliche und weiter zunehmende soziale Segregation zwischen einzelnen Stadtteilen und Schulen zu verzeichnen. Das (Un-)Wort von der „Brennpunktschule“ gehört mittlerweile zum festen Repertoire der bildungspolitischen Debatten. Von einzelnen BundeslĂ€ndern sind mittlerweile Maßnahmen ergriffen worden, das Problem zu adressieren und Bildungsungleichheiten abzubauen. Zu nennen sind – neben etlichen Einzel- und Modellprogrammen – insb. sozialindizierte Mittelzuweisungen an Schulen (KESS-Index, Bonusprogramm) oder auch die Schaffung neuer Schulformen (bspw. Sekundar- und Gemeinschaftsschulen). Welche Wirkung hatten und haben diese und andere Maßnahmen? Welche landespolitischen Maßnahmen wĂ€ren nötig, um soziale Ungleichheiten tatsĂ€chlich abzubauen? Was ist in den kommenden Jahren von den LĂ€ndern – auch mit der RĂŒckendeckung neuer Bundesprogramme – zu erwarten?

Über diese Fragen diskutierten Gabriele Bellenberg, Professorin fĂŒr Schulforschung und SchulpĂ€dagogik an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum und Martina Diedrich, Direktorin des Instituts fĂŒr Bildungsmonitoring und QualitĂ€tsentwicklung (IfBQ) der Hansestadt Hamburg.

Moderiert wurde die Sitzung von Michael Wrase, Professor fĂŒr Öffentliches Recht an der UniversitĂ€t Hildesheim und Senior Researcher am WZB.

HandlungsansÀtze kommunaler SchultrÀger zur Reduzierung sozialer (Bildungs-)Ungleichheiten

Vor welchen Herausforderungen und Steuerungsmöglichkeiten stehen Kommunen, um soziale (Bildungs-)Ungleichheiten an Schulen abbauen zu können? Wie kann dabei die Zusammenarbeit verschiedener Akteure auf kommunaler Ebene gestaltet werden? Diese Fragen wurden sowohl im Vortrag als auch anhand von Praxisbeispielen erlÀutert.

Der einfĂŒhrende Vortrag erfolgte durch Norbert Sendzik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin fĂŒr Sozialforschung. Die Kommentierung der AusfĂŒhrungen erfolgte durch Björn Hermstein, Schulentwicklungsplaner im Dezernat ‘Familie, Schule, Integration und Sport’ der Stadt Oberhausen.

Die Sitzung wurde moderiert von Rita Nikolai, Professorin an der UniversitÀt Augsburg.

Voraussetzungen und Möglichkeiten von Schulentwicklung zum Abbau von Bildungsungleichheit

Schulen können Bildungsungleichheit allein nicht entgegenwirken, da sie in politische und gesellschaftliche Diskurse, Verwaltungs- und Verteilungsstrukturen eingebettet sind, die benachteiligende Praktiken auf der Ebene des Schulsystems, der Einzelschule und des Unterrichts prĂ€figurieren und legitimieren. Dennoch gibt es SpielrĂ€ume fĂŒr Einzelschulen, Lernen und Entwicklung so zu gestalten, dass Ungleichheit innerhalb der Institution nicht zusĂ€tzlich verstĂ€rkt und im besten Fall abgemildert wird. Will man jedoch Entwicklungen befördern, die ĂŒber einzelne «Leuchtturmschulen» hinausgehen, dĂŒrfen Schulen und in ihnen tĂ€tige Menschen nicht allein gelassen werden. Um Bildungsungleichheit systematisch entgegenzuwirken, braucht es neue Konzepte fĂŒr die Organisation und Prozessgestaltung von Schule und Unterricht sowie ein gezielt auf den Abbau von Benachteiligung gerichtetes Handeln auf allen Ebenen des Bildungssystems und darĂŒber hinaus. Hilfreich könnte hier eine geteilte «Grammatik» des Problemlösens sein, die an den praktischen Problemen der Akteure ansetzt und eine geteilte Logik in der Bearbeitung von Herausforderungen zur VerfĂŒgung stellt und so kollektive Selbstwirksamkeitserfahren und «collective agency» befördert.

Es diskutierten Nina Bremm, Professorin fĂŒr Schulentwicklung an der PĂ€dagogischen Hochschule ZĂŒrich und Sascha Wenzel, Konrektor der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus RĂŒtli.

Moderiert wurde die Sitzung von Benjamin Edelstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Digitalisierung und Soziale Ungleichheit

Der erste Zyklus des Kolloquiums zur „Digitalisierung” ist nunmehr abgeschlossen und der Start des zweiten Zyklus zum Steuerungsproblem „Bildungsungleichheit“ steht unmittelbar bevor. Diese Sitzung ist als Scharnier zwischen den Zyklen angelegt und leuchtete in zwei VortrĂ€gen ZusammenhĂ€nge zwischen den beiden Themenkomplexen aus.  

Im Vortrag von Prof. Dr. Julia Gerick (TU Braunschweig) stand der Zusammenhang von Digitalisierung und sozialer Ungleichheit auf der Ebene der einzelnen SchĂŒler*innen im Fokus. Auf Grundlage der 2018 zum zweiten Mal durchgefĂŒhrten International Computer and Information Literacy Study (ICILS) wurden vier Dimensionen ‚digitaler Spaltung‘ betrachtet: Der materielle und physische Zugang zu digitalen Medien, die auf sie bezogenen Einstellungen der SchĂŒler*innen, das Nutzungsverhalten sowie der besonders relevante Aspekt der ‚digitalen Kompetenzen‘. Die Befunde zeigten, dass insbesondere im Bereich des Kompetenzerwerbs der SchĂŒler*innen nach wie vor starke herkunftsbedingte DisparitĂ€ten bestehen.

Der Vortrag von Prof. Dr. Kathrin RacherbĂ€umer (UniversitĂ€t Siegen) verlagerte den Fokus anschließend von der Individualebene auf die Ebene der Schulen, wobei die digitalisierungsbezogene Schulentwicklung an sozialrĂ€umlich benachteiligten Schulen im Zentrum der Betrachtung steht. Sie fragte nach der sĂ€chlichen und personellen Ausstattung dieser Schulen und explorierte die Haltung dort tĂ€tiger Lehrpersonen zum Einsatz digitaler Medien. Obgleich Forschungsergebnisse seit lĂ€ngerem auf das Potential der Digitalisierung gerade fĂŒr benachteiligte SchĂŒler*innen verweisen, offenbaren Interviews diesbezĂŒglich große Skepsis in den Kollegien.

Moderiert wurde die Sitzung von Benjamin Edelstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB.

Ein Schritt vor, zwei zurĂŒck? Zum Stand der digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich

Am 9. Dezember hat die KMK neue Empfehlungen zu “Lehren und Lernen in der digitalen Welt” beschlossen, die die KMK-Strategie “Bildung in der digitalen Welt” aus 2016 ergĂ€nzen. Vor diesem hochaktuellen Hintergrund befasste sich die Sitzung mit der ĂŒberregionalen Steuerung von Bildungsprozessen im Bereich Digitalisierung. Wie viel lĂ€nderĂŒbergreifende Rahmensetzung (Standards, Systeme, Medien, ID-Protokolle, DatenschutzprĂŒfungen etc.) ist notwendig und wie viel Spielraum benötigen die LĂ€nder zur regionalen Ausgestaltung der digitalen Transformation im schulischen Bereich? Nicht zuletzt mit dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird deutlicher Druck zu mehr lĂ€nderĂŒbergreifender Kooperation und neuen Formen der Bund-LĂ€nder-Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung ausgelöst. Kann die KMK vor dem Hintergrund dieser neuen Herausforderungen zu einer effizienten Abstimmungs- und Steuerungsarena entwickelt werden?

Es diskutierten Birgit Eickelmann, Professorin fĂŒr SchulpĂ€dagogik an der UniversitĂ€t Paderborn, und Ties Rabe, Senator fĂŒr Schule und Berufsbildung in Hamburg sowie sog. A-Koordinator in der KMK.

Moderiert wurde die Sitzung von Mark Rackles, Fellow am WZB und StaatssekretĂ€r a.D. der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung in Berlin.

Sie finden die PrÀsentationsfolien von Birgit Eickelmann hier: